Krankenversicherung für Bergleute

Die Arbeit unter Tage zur Förderung von Erzen, Edelmetallen und Kohle war seit Beginn ein Gefahrenberuf. Erst die Knappschaft änderte dies – als Sozial- und Krankenversicherung der Bergmänner sicherte sie die Bergarbeiter und ihre Angehörigen ab. Bergleute starben meist früher, z.B. aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen in den Stollen, Fahrlässigkeit bei der Arbeit oder Unfällen. Auch Berufskrankheiten waren und sind unter Bergmännern häufig verbreitet: Neben Atemwegserkrankungen durch Staub und unterirdisch freiwerdende Gase, sind sie häufig von Muskel- und Knochenerkrankungen im Zuge einseitiger Belastung und enger, niedriger Stollen betroffen. Hauterkrankungen oder Strahlenschäden durch radioaktive Gesteine setzen Bergbauarbeitern ebenfalls zu.

Erkrankte ein Bergmann oder starb er in Folge einer berufstypischen Krankheit oder eines Unfalls, standen seine Angehörigen in der Vergangenheit meist mittellos da. Bergbaugesellschaften und Zechen erkannten daher bereits früh, welche enorme Bedeutung eine organisierte soziale Absicherung das vergleichsweise hohe Berufsrisiko für Bergleute besitzt. Beeindruckend ist jedoch, dass die Knappschaft – die Sozial- und Krankenversicherung der Bergleute – bereits im Jahr 1260 gegründet wurde. Damals versicherte der Hildesheimer Bischof Johann I. von Brakel in einer Urkunde der religiösen St. Johannis Bruderschaft am Rammelsberg bei Goslar, finanziell Verantwortung für die Unterstützung erkrankter und verletzter Bergleute zu übernehmen. Auch die Fürsorge für Hinterbliebene war in der Urkunde festgehalten. Jenes Dokument sicherte damit als erstes eine gemeinschaftlich organisierte Form der sozialen Absicherung und kann als Ursprung des heutigen modernen Sozialstaates verstanden werden. Im Jahr 2010 feierte die Knappschaft schließlich ihr 750-jähriges Jubiläum und wurde u.a. mit einem Festakt sowie einer Briefmarke der Deutschen Post geehrt.

Vorbild für die Kaiserliche Sozialgesetzgebung 1881

Das Modell einer exklusiven, berufsständischen Absicherung für Bergleute und ihre Angehörigen blieb viele hundert Jahre lang bestehen. Dies änderte sich im März 2007, als sich die Knappschaftliche Rentenversicherung auch für angestellte Versicherungsnehmer außerhalb des Bergbaumilieus öffnete. Der Mehrleistungsanspruch für Bergleute und Angestellte im Bergbau, der 1930 von der Knappschaft etabliert wurde, blieb jedoch nur für den berufsständischen Versichertenkreis bestehen. Neumitglieder haben keinen Zugang dazu. Der Mehrleistungsanspruch sichert altversicherten Knappschaftsmitgliedern eine bessere Behandlung in medizinischen Einrichtungen zu, z.B. Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus.

Außerdem verfügt die Knappschaft über ein hervorragendes Netzwerk aus 1500 niedergelassenen Ärzten, elf Krankenhäusern, elf Reha-Kliniken und einem sozialmedizinischen Dienst. Bereits aus den 13. Jahrhundert sind ähnliche Einrichtungen überliefert, z.B. Bergmann-Krankenhäuser, die den Bergarbeitern exklusiv zur Verfügung standen. Später kamen Rehabilitierungseinrichtungen dazu. Das Vorbild der Knappschaft leitete auch die Gründung und Etablierung der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Hinterbliebenenfürsorge, der ersten Rentenformel, des ersten Ärztekollektivvertrages, der gemeinsamen Beteiligung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern an der Absicherung, der Sozialversicherungspflicht sowie der Selbstverwaltung, die jedoch historisch erst sehr viel später entstanden. Sogar die Kaiserliche Sozialgesetzgebung aus dem Jahr 1881 orientierte sich an der pionierhaften Leistung der Knappschaften.

Die Knappschaft ist damit als Versicherung und als Marke nicht mehr wegzudenken aus der deutschen Versicherungslandschaft und integriert seit 2008 auch die Beschäftigten der Seefahrt und des Bahnbetriebs unter dem neuen Dachnamen Knappschaft-Bahn-See.