Unfallstatistik Niedersachsen 2014

Deutschlandweit stieg 2014 die Zahl der Getöteten bei Verkehrsunfällen um 0,9 Prozent an. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) ereigneten sich 2014 in Deutschland rund 2,40 Millionen Verkehrsunfälle, von denen 3.368 tödlich endeten. Im Jahr 2013 waren es noch 3.339 tödliche Unfälle im Straßenverkehr gewesen.
Unfallstatistik Niedersachsen
Die Zahlen der Verkehrsunfallstatistik 2014 für Niedersachsen präsentierte am 12. März 2015 der Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, in Hannover. Das nordwestliche Bundesland zählt zusammen mit Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg statistisch zu den Bundesländern mit den meisten Verkehrstoten. Im Jahr 2014 starben 446 Personen auf niedersächsischen Straßen, dies bremst den Abwärtstrend der Statistik zwischen 2011-2013 ab. Die Zahl der Schwerverletzten bei Verkehrsunfällen in Niedersachsen betrug wiederum wie in den Vorjahren im Schnitt zwischen 5500 – 6500 Personen.

Der traurige Spitzenreiter der Unfallstatistik 2014 ist jedoch Sachsen-Anhalt mit 61 Verkehrstoten je 1 Million Einwohner. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 58 Personen pro 1 Million Einwohner, in Niedersachsen und Brandenburg jeweils 57. Der Bundesdurchschnitt 2014 lag bei 42 Personen je 1 Million.

Kfz-Versicherte verlieren nach einem Unfall meist einen Teil des Schadensfreiheitsrabatts ihrer Kfz-Versicherung und sollten sich deshalb rechtzeitig z.B. über die Rabattsicherung informieren.

Hauptrisiken für Verkehrsunfälle: Raserei und zu frühes warmes Wetter

Das Hauptrisiko für einen schweren oder tödlichen Unfall ist weiterhin erhöhte Geschwindigkeit und eine abnehmende Bereitschaft zu Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Besonders bei günstiger Witterung sind mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs – egal ob im Auto, auf dem Roller, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. 2014 war zudem ein Jahr mit relativ mildem Winter, was bedeutet, dass nicht nur saisonal früher mehr Menschen unterwegs sind, sondern aufgrund der trockenen Straßen auch schneller gefahren wird als bei Schnee und Glätte. Allen vier Bundesländern ist zudem eine ländliche Prägung gemein und Landstraßen gelten als riskant für Verkehrsteilnehmer. Allein in Niedersachsen sind so z.B. sogenannte Baumunfälle nach einem Abwärtstrend erstmals wieder angestiegen: von 117 Personen im Jahr 2013 auf 155 tödliche Verkehrsunfälle mit Bäumen im Jahr 2014.

Durch saisonal frühe und unterschiedliche Verkehrsteilnehmer ist das Potential erhöht, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden und schwer zu verunglücken. Bereits im Juli 2014 wies Minister Pistorius auf die alarmierende Zahl der verunglückten Fahrradfahrer hin. Im Vergleich zu 2013 waren im ersten Jahresquartal 2014 bereits 60 Prozent mehr niedersächsische Fahrradfahrer in tödliche Unfälle verwickelt. Höher war nur die Quote der Motorradfahrer: Sie verzeichneten eine Steigerung von 150 Prozent tödlicher Verkehrsunfälle zum Vorjahr, d.h. im ersten Jahresquartal 2014 waren in Niedersachsen bereits neun Personen bei Motorradunfällen tödlich verunglückt.

Todesopfer von Verkehrsunfällen: Traurige Steigerung in Niedersachsen

Besonders tragisch ist der Tod von 13 Kindern im niedersächsischen Straßenverkehr. Dies sind 10 Kinder mehr als im Jahr 2013. Davon sind sechs Kinder als Mitfahrer bei Autounfällen ums Leben gekommen, sechs als Fußgänger, eines bei einem Radunfall. Nur in drei Fällen verhielten sich die Kinder falsch, die übrigen waren schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort.

Bei der größten Risikogruppe des Straßenverkehrs, jungen Erwachsenen zwischen 18-24 Jahren, gab es eine leichte Senkung der Zahl der Verkehrstoten von 80 Personen im Jahr 2013 zu 78 Personen 2014. Damit zeichnet sich seit 2011 einen leicht rückläufiger Trend ab, obwohl die Gruppe der Fahranfänger immer noch mit 20% Verkehrstoten im Vergleich zu 8% in der Gesamtbevölkerung ein sehr hohes Risiko für Unfälle im Straßenverkehr aufweist.

Die Zahl der Verkehrstoten in der Gruppe der Senioren schwankt wiederum von Jahr zu Jahr, ist aber mit im Schnitt über 100 Personen immer noch vergleichsweise hoch. 2014 kamen 119 Personen, davon 73 Personen über 75 Jahre, bei Verkehrsunfällen ums Leben. Dies ist nur eine geringfügige Verringerung im Vergleich zu 2013 (126 Personen, davon 77 Personen über 75 Jahre).
Verkehrsunfälle unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss

Die Fahrten bzw. Unfälle unter Alkoholeinfluss haben in Niedersachsen in den vergangenen Jahren stückweise abgenommen. Im Jahr 2012 wurden noch 11.346 Personen positiv auf erhöhte Alkoholwerte im Straßenverkehr getestet, 2013 waren es 10.221 Personen und 2014 lag die Zahl der Blutentnahmen aufgrund der Annahme von zu viel Promille bei 9.511 Personen. Parallel dazu ist jedoch die Zahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss nicht so stark gesunken, wenngleich auch hier im Vergleich mit der Statistik der letzten zehn Jahre ein sinkender Trend deutlich wird: von 3.601 (2012) auf 3.367 (2013) auf 3.274 (2014) Personen, die unter Alkoholeinfluss tödlich verunglückten.

Die Kontrolle gegenüber Fahrten unter Drogen- und/ oder Medikamenteneinfluss in Niedersachsen ergeben seit etwa einer Dekade eine Zahl von im Schnitt 5.000-6.000 Fällen pro Jahr, die positiv getestet werden. Hingegen hat die Zahl der Verkehrsunfälle unter Drogen- und/ oder Medikamenteneinfluss in den vergangenen Jahren schleichend zugenommen, zuletzt von 312 Fällen (2012) auf 359 Fälle (2013). Die Gründe für den Anstieg sind unklar, möglicherweise spielt die geografische Nähe zu den Niederlanden und deren eher liberaler Drogenpolitik eine Rolle.

65 Jahre Verkehrsstatistik

Seit 1950 wird vom Statistischen Bundesamt in Deutschland (bzw. bis 1990 West- und Ostdeutschland) die Verkehrsunfallstatistik erfasst. Die höchste Quote ergab sich im Jahr 1970 mit 21.332 Verkehrstoten in Ost und West. Im Vergleich dazu gab es 2013 mit 3.339 Verkehrstoten die niedrigste Quote tödlicher Verkehrsunfälle seit Aufzeichnungsbeginn. Die Erfassung zeigt Wirkung: Als Reaktion auf die anhaltend hohen Zahlen von tödlichen Verkehrsunfällen Anfang der 1970er Jahre wurde z.B. der Anschnallgurt zum 1. Januar 1974 pflichtgemäß und serienmäßig in alle Neuwagen eingebaut. Mit der Einführung eines Bußgeldes von 40 DM ab dem 1. August 1984 wurde das Fahren mit Gurt schließlich zur Normalität und die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr nahm rapide ab.